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Chronik der St. Georg Kapelle

Die heutige St. Georg Kapelle ist ein Neubau der 1649 vom damaligen Weihbischof Bernard Frick eingeweihten Fachwerk-Kapelle, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts an der Stelle des heutigen Hauses Am Kinderspielplatz 2 (Welge) stand.

Der Altar der Kapelle ist neben der Glocke aus dem Jahre 1??? das einzige, was aus der alten Kapelle übernommen werden konnte. Alles andere war in einem so desolaten Zustand, dass sich sogar die damaligen Geistlichen weigerten, Heilige Messen in der Kapelle abzuhalten. Erste Planungen zum Bau der neuen Kapelle wurden bereits im Jahre 1864 begonnen. Ein entsprechender Kostenvoranschlag vom 9. Dez. 1864 von Maurermeister Anton Pehle aus Mellrich enthält folgende Arbeiten und Preise:

Gegenstand der Arbeit

Rhtr.

Sgr.

Pf

Summa Maurerarbeit

1622

5

8

Summa Steinhauerarbeit

79

15

8

Summa Zimmerarbeit

51

20

4

Summa Schmiedearbeit

45

20

4

Summa Dachdeckerarbeit

230

16

3

Summa Tischlerarbeit

40

16

3

Summa Glaserarbeit

72

22

6

Summa Spanndienste (Transporte)

338

16

3

Summa Summarum

2496

22

8

Rhtr.=Reichsthaler, Sgr.=Silbergroschen, Pf.=Pfennig

1869 verfassten einige Dorfbewohner einen sehr interessanten „Bettelbrief“ um den Neubau der Kapelle voranzutreiben. Auszüge daraus finden Sie hier (unten)

Bis 1874 wurden mehrere Versuche gestartet, die Finanzierung der neuen Kapelle zu bewältigen, ein Kapellenfonds wurde aufgelegt und auch die Angebote der Handwerker wurden häufig abgeändert. Sie beliefen zur Antragszustimmung durch das General-Vicariat Paderborn vom 23. Mai 1874 auf 2496 Thaler, 22 Silbergroschen und 8 Pfennig.

Mit dem Bau der Kapelle wurde kurze Zeit danach begonnen, sodass noch heute das Jahr 1874 als Baujahr der Kapelle anzusehen ist.

Eine Gesamtrechnung vom 10. Febr. 1876 des Maurermeisters Anton Pehle aus Horn über rund 2600 Reichsthaler und ein Angebot des Anstreichermeisters H. Beckmann aus Horn in Höhe von 500 Rhtr. lässt darauf schließen, dass die Arbeiten im Jahre 1876 abgeschlossen werden konnten.

In den Rechnungen unter anderem auffällig:

1 kupferner u. vergoldeter Hahn mit Büchse: 8 Rhtr.,

1 kupferne Kugel unter dem Kreuze auf der Turmspitze: 7 Rhtr.

Das Kreuz selbst ist nicht mit aufgeführt, allerdings das Aufsetzen des Kreuzes und des Hahns zu 3 Rhtr. Interessant ist u.a. auch der Preis für die Fallklappe zum Dachboden mit Futter, Bekleidung und Anschlag zu 4 Rhtr. und 15 Sgr.

Brief zum Neubau der Kapelle (Abschrift)

Hochwürdiges General-Vicariat!

Gehorsamst Unterzeichnete erlauben sich nachstehende wohlmotivirte Bitte ergebenst vorzulegen und erwarten gnädiges Gehör.

Unsere Kapelle befindet sich in einem desolaten Zustande, so, dass zwei Geistliche des Kirchspiels Horn, Herr Kaplan Klocke und Herr Vicarius Oebrich sich weigern in diesem Andachtshause, wo zehn Katzen nicht im Stande sein würden eine Maus zu fangen, wie diese ehrsamen Herrn Geistlichen sich in öffentlichen Vorträgen ausgedrückt haben, ferner verweigern die durch einen Verein gegründeten 24 Messen sonstige freiwillige Messen und Christenlehre zu halten.

Dies Äußerungen der ehrwürdigen geistlichen Herren dürften schon genügen, um uns die Erlaubniß zur Erbauung einer neuen Kapelle zu erwirken; allein nachstehende Gründe am Verluste des heiligen Guts, werden ebenso kräftig wirken uns den Besitz dessen zu verschaffen, was zu unserm Seelenheil nöthig ist, und so sehnlichst von uns gewünscht wird.

Zuerst mussten wir, was schwer in die Wagschale fällt, heranbringen, dass seit der Zeit hier eine eigene Schule erreichtet und solche von der Kirchspielschule Horn getrennt ist.

Die Kinder unserer Schule der Morgenandachten in den Messen so gut als verlustigt sind.

Außerdem entbehren sie auch den hierorts zu ertheilen den Unterricht in der Christenlehre von einem Geistlichen.

Nach Horn, welches fast 40 Minuten von hier entfernt ist, können dieselben, theils um den hiesigen Unterricht in der Schule nicht zu versäumen, theils um schlechtes Wetter und schlechter Wege willen, nicht gehen.

Wie nachtheilig dieser Verlust auf unsere Jugend wirkt, bedarf wohl keiner Erörterung.

Dann müssen ja altersschwache Kranke, Gichtbrüchige und mit allen Übeln Beladene aller kirchlichen Pflege, besonders, wenn sich die Herren Geistlichen weigern die ihnen obliegenden Messen zu lesen, gänzlich entbehren.

(... es folgen 6 weitere Seiten mit Begründungen)

Wir legen unsere Bitte in den vorsorglichen Schooß eines hochwürdigsten General-Vicariat, hegen die feste Hoffnung einer gnädigen Erhörung und Gewährung, harren einer baldigen gnädigen Antwort entgegen, und zeichnen ehrfurchts und Hochachtungsvoll eines hochwürdigen General-Vicariats.

Schallern - Kirchspiel Horn - Amts Anröchte (bei Sassendorf)

25 Mai 1869

gehorsamste

Josef Steimann, Anton Holle, Bernhard Siedhoff, Anton Irländer, Anton Berglar, Franz Simon, Kasper H. Schulte, Peter Spikermann, Anton Brüggemann, Heinrich Vos, Anton Krammer, Ferdinand Jakob, Peter Vogt, Franz Wiechmann, Theodor Peters, Franz K. Sperlbaum, Franz Koch, Heinrich Steimann, Schulte Rath, Franz Länzse

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